Annamartha  / [URL]pixelio.de[/URL]

Annamartha / pixelio.de

Wo und wann finden Kinder den Raum und die Zeit für das selbst organisierte, gemeinsame Entdecken der Welt? Wir brauchen keine wohlfeilen Konzepte, sondern Menschen aus Fleisch und Blut. Wir brauchen keine totale Pädagogik, die sollte uns vielmehr Angst machen.

Herbert Renz-Polster

"Ganztagseltern" verzichten darauf, ihre Kinder schon in einem sehr frühen Alter in eine Krippe oder zu einer Tagesmutter zu geben und wertschätzen die 1:1-Betreuung durch eine enge Bindungsperson in den ersten Lebensjahren. Bei manchen funktioniert das gut, wenn die Frau die Betreuung des Kindes übernimmt und der Mann die finanzielle Absicherung gewährleistet. Für andere ist vielleicht auch die Idee der Bielefelder Arbeitsgruppe sinnvoll, die vorschlägt, dass zuerst die Mutter 18 Monate lang ganztägig die Betreuung übernimmt und dann für die nächsten 18 Monate an den Vater übergibt. Und auch andere „Teilzeitmodelle“ sind denkbar.

Die Bezugsperson, die zu Hause bleibt, kann das Zusammensein mit dem Kind in besonders intensiver Weise erleben und genießen. Das Zu-Hause-Bleiben geht aber nicht selten auch mit einem gewissen Gefühl der Isoliertheit einher. Man kommt nicht jeden Tag in den Austausch mit anderen Erwachsenen und noch seltener mit welchen ohne Kleinkinder. Und natürlich ist es auch normal, dass man die Bestätigung und Verwirklichung, die der Beruf mit sich bringt, hin und wieder vermisst. Denn auch wenn die Zeit mit dem Kind sehr erfüllend ist: Anerkennung bekommt man dafür von außen meist nicht so viel.

Da kann es schon mal passieren, dass einem die „Decke auf den Kopf fällt“. Weil wir dieses Gefühl kennen, haben wir hier erprobte  Tipps und Strategien für den Alltag zusammengetragen, die helfen die eigenen Bedürfnisse im Alltag umzusetzen und die „zu-Hause-Betreuung“ eines Kleinkindes zu gestalten.

Tipps für die Zeit zu zweit (oder dritt oder viert... )

  • Jahreskarte für Tierpark, Zoo etc. anschaffen (kostenlose Variante in Leipzig: Wildpark, Stadtgut Mölkau)
  • die Familienzentren der Stadt nutzen - da kann man schön gemeinsam mit anderen Eltern und Kindern Zeit verbringen, gemeinsam frühstücken, Mittag essen und sich im Spielzimmer vergnügen
  • öffentliche Büchereien haben neben Bilderbüchern oft schöne Kinderecken und -angebote
  • die Kinder in den Alltag und seine Aufgaben einbinden: Kinder können beim Einkaufen Obst und Gemüse abwiegen, Flaschen zurückgeben, an der Kasse bezahlen, auch zu Hause helfen oft schon Einjährige begeistert mit - zum Beispiel können sie mit Hilfe die Wasch- und Spülmaschine ein- und ausräumen, Wäsche aufhängen, beim Kochen mithelfen etc. 
  • kleine Ausflüge machen, bei dem man dem Kind erklärt, wie "die Welt funktioniert" (zum Beispiel zum Flughafen, Bahnhof, Recyclinghof, Großbaustelle...)
  • im Garten kann das Kind sein eigenes, kleines Beet anlegen
  • auch Kaufhäuser, Einkaufszentren etc. haben oft Kinderecken etc. - so kann man manche Erledigungen gut mit einem Anlaufpunkt verbinden, der für Kinder interessant ist 

Austausch mit anderen Eltern, die ihre Kinder ganztägig selbst betreuen

Regelmäßige Treffen mit Gleichgesinnten sind super und fast schon notwendig. Man kann sich über Beweggründe und Erfahrungen austauschen. Die Kinder treffen regelmäßig andere Kinder. Lokale Treffen in kleiner Runde können zur festen Gewohnheit werden. Wenn reihum im Wechsel vielleicht auch mal gekocht wird, schafft das eine Entlastung. Und viele weitere Szenarien zur gegenseitigen Unterstützung sind möglich, wenn man sich regelmäßig trifft und die Kinder und Eltern einander gut kennen.

Spielgruppen etc. besuchen, in denen auch andere Kleinkinder sind.

Folgende kostenlose (oder mit einem eher symbolischen Obulus verbundenen) Möglichkeiten gibt es zum Beispiel aktuell in Leipzig:

Kunst, Kultur und Freizeitspaß im "bezahlbaren" Rahmen

Teurere Kurse - vielleicht auch mal eine Geschenkidee für die Verwandten?

Sich Unterstützung holen

  • hin und wieder für ein paar Stunden einen Babysitter engagieren, um persönliche Freiräume zu schaffen und eigene Interessen zu verfolgen; sich Zeit nehmen, um sich selbst etwas Gutes zu tun (Massage, Konzerte, Treffen mit Freunden ohne das Kind, Hobbys pflegen...); vielleicht ja auch die Zeit nutzen für berufliche Weiterbildung, ehrenamtliches oder politisches Engagement oder...? 
  • sich mit anderen Eltern, die ihre Kinder selbst betreuen, vernetzen und sich dann ggf. gegenseitig aushelfen
  • die Großeltern oder andere Verwandte besuchen, welche gerne was mit dem Kind unternehmen wollen