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Helene Souza / pixelio.de

Die Kinder sind uns anvertraut, schuldlos, abhängig, auf unser Verstehen existentiell angewiesen. Da gibt es keine Ausflüchte.Der Angriff auf die Kindheit ist zugleich der Angriff auf die schöpferische Individualität.

Henning Köhler
Mit unserer Entscheidung, unsere Kinder in den ersten Jahren ganztags selbst zu betreuen, folgen wir in erster Linie unserer Intuition. Dennoch haben wir uns auf die Suche nach wissenschaftlichen Belegen über das Pro und Kontra der frühen außerfamiliären Betreuung gemacht. Hier geben wir häufige, zugegeben, zugespitzt formulierte Aussagen wieder, die oft dafür ins Feld geführt werden. Wir sind uns bewusst, dass die menschliche Entwicklung von sehr vielfältigen Faktoren beeinflusst wird und nicht nur von der Frage nach früher Fremdbetreuung oder der alleinigen (liebevollen, zugewandten) Betreuung zu Hause abhängt. Wir wissen auch, dass Studien vielfach interpretierbar sind und nie alle Einflussfaktoren abbilden können. Dennoch haben wir Fakten gefunden, die uns in unserer Entscheidung bestärkt haben. Jede/r Interessierte kann sich auf dieser Grundlage selbst ein Urteil bilden.

"Du ziehst dir ein Mamakind heran!"

Der Vorwurf:   Kinder brauchen in den ersten Lebensjahren eine feste Bezugsperson, zu der eine verlässliche und stabile Bindung besteht. In der frühen Fremdbetreuung kann dies in der Regel nicht gewährleistet werden. Bindung kann als Basis des menschlichen Zusammenlebens angesehen wer…


"Das Kind braucht doch andere Kinder zum Spielen!"

Der Einwand:   Dass Kinder wirklich mit Gleichaltrigen spielen, beginnt erst im Alter von drei bis vier Jahren. Zuvor ist es eher ein paralleles Spielen. Das Interesse füreinander wächst langsam, aber stetig. Soziales Handeln lernen Kinder in erster Linie über die Nachahmung vertrauter P…


"Hast du nicht Angst, dass dein Kind in Sachen Bildung abgehängt wird, wenn es so lange zu Hause bleibt?"

Die Frage:   Kinder mit sicheren Bindungen lernen nachweislich besser, sind flexibler, kreativer, ausdauernder. Am besten lernt es sich entspannt, ohne äußere Stressoren (sh. unten). Bildung braucht Bindung. Ein noch so intelligentes Kind mit einer Bindungsstörung hingegen, so Bindungsfo…


"Das würde ich doch merken, wenn mein Kind sich in der KiTa nicht wohlfühlt!"

Der Einwand:   Sprachverständnis und -fähigkeit kleiner Kinder sind noch in der Entwicklung. Sie können ihre Bedürfnisse nur bedingt so mitteilen, dass sie von Fremden verstanden werden. Was sie erlebt haben, können Sie -wenn überhaupt - nur eingeschränkt wiedergeben. Auch ein unkomp…


"Dein Kind muss aber doch lernen, selbständig zu werden!"

Der Einwand:   Selbständigkeit wird Schritt für Schritt erlernt – am besten mit viel Zeit und Raum für Fehler und Frustration. Experten unterscheiden zudem zwischen einer funktionellen Eigenständigkeit, die dem Kind antrainiert wurde, weil der Alltag sie einfordert (weil eine Erzieher…


"Aber du kannst dein Kind doch nicht in Watte packen!"

Der Vorwurf: Frühe Fremdbetreuung kann bei Kleinkindern eine starke Stressreaktion verursachen. Auslöser dafür können folgende Faktoren sein: Trennung von den Eltern, häufiger Wechsel der Bezugsperson in der KiTa, unausgereifte Sprachfähigkeit, Gruppenstärke, Betreuungsschlüssel, hoher L…


"In der KiTa wird das Kind von Fachleuten betreut – die können das doch viel besser als ich."

Der Einwand: Der Betreuungsschlüssel unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. (Beispielsweise werden in Sachsen 6,6, in Mecklenburg-Vorpommern sechs und in Bremen 3,2 Kinder unter drei Jahren von einer Erzieherin betreut.) Fachleute empfehlen eine Betreuung von maximal drei Kindern unter…


"Wenn es falsch wäre, das Kind in die KiTa zu geben, dann hätten wir doch alle einen Schaden!"

Der Einwand: Zwei Drittel des kindlichen Gehirns wachsen erst nach der Geburt – die Bedingungen, unter denen das Kind aufwächst, beeinflussen stark die Art des Wachstums. So haben Neurowissenschaftler beobachtet, dass wichtige Strukturen in Säuglingsgehirnen von emotionalen Erfahrungen geform…