Der Einwand:

"In der KiTa wird das Kind von Fachleuten betreut - die können das doch viel besser als ich!"

Der Betreuungsschlüssel unterscheidet sich von Bundesland zu Bundesland. (Beispielsweise werden in Sachsen 6,6, in Mecklenburg-Vorpommern sechs und in Bremen 3,2 Kinder unter drei Jahren von einer Erzieherin betreut.) Fachleute empfehlen eine Betreuung von maximal drei Kindern unter drei Jahren von einer Fachkraft, die sich ausschließlich um die Kinder kümmert. Zu berücksichtigen ist aber auch, dass die Ausbildungsgänge und damit die fachliche Qualifikation der so genannten Fachkräfte sich stark unterscheiden. So umfasst die Ausbildung zur Tagespflegeperson oft nur einige Stunden, während Sozialpädagogen, die zum Teil auch in KiTas arbeiten, ein mehrjähriges Hochschulstudium absolvieren. Auch kommt es immer wieder in vielen KiTas vor, dass aus Personalmangel Praktikanten als vollwertige Betreuungspersonen gerechnet werden. Die Einsatzstellen von Praktikanten, deren fachliche Qualifikation nicht mit der einer ausgebildeten Erzieherin vergleichbar ist, wechseln mitunter alle sechs Wochen. Ein Bindungsaufbau, wie er insbesondere bei den Kleinsten notwendig ist (sh. oben), kann somit nicht stattfinden und möglicherweise zu einem weiteren Stressor fürs Kind werden.  Ein Kind, das sehr erregt ist (weinen, schreien, Enttäuschung, Wut...), kann nachweislich besser von den Hauptbindungspersonen (meist Mutter und/oder Vater) getröstet werden als von anderen Menschen. Dadurch lernen Kinder, sich zu regulieren - eine Fähigkeit, die die Basis für ihre weitere sozioemotionale Entwicklung legt.

Links und Literaturempfehlungen zu diesem Aspekt:

Vereinbarte Betreuungszeit in den Kindertageseinrichtungen und Betreuungsquoten nach Bundesländern (Statistisches Bundesamt/ Bonn 2014 (Auszüge aus H105-Statistiken der Kinder- und Jugendhilfe; Initiative "Frühe Kindheit")

Tagesmutter, Krippe etc. - welche Betreuung ist für Kleinkinder geeignet? - Interview mit Kinderpsychiater Dr. Karl Heinz Brisch (Eltern-Portal "Spiel und Zukunft")

Die frühkindliche außerfamiliäre Betreuung von Säuglingen und Kleinstkindern aus der Perspektive der Säuglingsforschung. (Dr. Karl Heinz Brisch; Initiative "Frühe Kindheit")

Positionspapier der Deutschen Liga für das Kind (Deutsche Liga für das Kind)

Qualität für alle. Wissenschaftlich begründete Standards für die Kindertagesbetreuung (Buchauszug) - Offensive "Frühe Chancen" (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend)

Mit spätestens einem Jahr in die Kita? Über die Risiken der frühkindlichen Fremdbetreuung - Interview mit Prof. Dr. Eva Rass (Glücksknirpse - Das Kinder-Gesundheitsprojekt)

Interview mit einer ehemaligen Krippenerzieherin (Stiftungsinitiative "Für Kinder")

In ostdeutschen Kitas herrscht Masse statt Klasse (DIE WELT)